
Constantia Theater Dresden
Fortschreiben der Erinnerung an ein Theater
Bestandssanierung & Erweiterung eines ehemaligen Ballsaals und Theaters
Majlie Ho · Stefanie Kästner · Emil Rohde
Semesterentwurf
M.A. Architektur
HTWK Leipzig
Prof. Dipl.-Ing. Dorothea Becker · Professur für Entwurf und Bauen im Bestand
01 März 2026
Am Standort des ehemaligen Ballhauses Constantia in Dresden-Cotta soll nach 10 Jahren des Leerstands ein multifunktionaler Veranstaltungsort entstehen, der die 66-jährige Theaternutzung wiederbelebt und um die Möglichkeit einer vielseitigen, kulturellen Nutzung bereichert. Mit Ursprung im späten 19. Jahrhundert bildete sich der Gebäudekomplex stückweise um eine Stadtvilla herum. Das Ensemble der Tanzgaststätte unterlag dem stetigen Weiterbauen, wodurch mit dem Umbau zum Theater nach Ende des Zweiten Weltkriegs auch die Villa Funktionsanbauten weichen musste. Heute befinden sich vor Ort neben dem großen Theatersaal mit Bühne und Hinterbühne der ältere, kleine Saal als Probebühne sowie mehrere verwinkelte Funktionsanbauten. Somit entstand bis zum Leerstand im Jahr 2016 ein Ort der sich als Ensemble aus Gebäudefragmenten, -schichten und -hüllen liest. In einer Bauzeitschichtenanalyse werden wichtige bauliche Abschnitte und deren markante Merkmale nachvollzogen und weitergedacht. Entwerferisch werden fünf bauliche und konzeptuelle Transformationsprozesse für den Ort erarbeitet, die neben einem multifunktionalen Nutzungskonzept die Ablesbarkeit der Bauzeitschichten und die Herstellung historischer Raumbezüge im Innen- und Außenraum thematisieren. Außerdem machen verwinkelte Grundrissstrukturen, Höhenversprünge in den Fußbodenniveaus und die Anforderungen an Brandschutz, Barrierefreiheit und Veranstaltungsstättenbetrieb eine Umstrukturierung des Erschließungskonzepts erforderlich. Hierfür wird ein Neubau mit Foyer, Büroarbeitsplätzen und Sanitäranlagen am einstigen Standort der Villa geplant, der funktionale Erfordernisse sowie den Umgang mit Besucherströmen in der Veranstaltungsstätte regelt. Neben dem Neubau bilden der Große Saal inklusive Anlieferungs- und Lagerbereich sowie der Kleine Saal mit angegliedertem Backstage-Bereich zwei weitere, übergeordnete Nutzungsbereiche. Aufgrund der stark voneinander abweichenden Vergangenheit und Entwicklung jener Bereiche von baulicher Veränderung bis hin zum vollständigen Abbruch werden die genannten konzeptuellen Ansätze in drei verschiedenen Herangehensweisen interpretiert und somit der fragmenthafte Geist des Ortes aufgegriffen und fortgeschrieben. So zitiert der Neubau die Umrisse der im 20. Jahrhundert abgebrochenen Villa mit dekonstruktivistischem Leitbild als monolithische, reduzierte Hülle und rahmt deren Hauptfassade im Außenbild kulissenhaft ein. Der aktuell zum Probensaal umfunktionierte Kleine Saal wird als figürlicher Schmucksaal konzeptionell rekonstruiert und erhält seine eigenständige Anmutung in der Dachform sowie historische Fassadenbilder zurück. Die im Großen Saal vorzufindenden Zeugen mehrerer Zeitschichten wie Emporen und gusseiserne Stützen, eine Zuschauertribüne aus Stahlbeton und schwarzer Wand- und Deckenanstrich werden offengelegt und treffen puristisch aufeinander.
















